graphic

MENSCHEN UND PROZESSE Transformation bei ZF

Neues Arbeiten als erfolgsfaktor

Aktuell erschüttern disruptive Veränderungen die Automobilbranche. Um die damit verbundenen Herausforderungen in Chancen umzumünzen, ist ZF seit geraumer Zeit dabei, seine Organisation und Arbeitsprozesse zu verändern. Ausgeprägte Teamarbeit mit starker Eigenverantwortung sorgen für mehr Tempo, größere Kundennähe und eine verbesserte Ergebnisqualität.

Automatisierung, Digitalisierung und Elektromobilität haben die Automobilbranche in kurzer Zeit massiv verändert. Ein weiterer Treiber ist die gesellschaftliche Forderung nach mehr Effizienz, nach Ressourcenschonung und nach besserem Klimaschutz. Ziel und Selbstverständnis des Technologiekonzerns ist, auf die genannten Entwicklungen nicht nur zu reagieren, sondern die Mobilität von morgen maßgeblich mitzugestalten.

Veränderung als Garant für dauerhaften Erfolg

Um die Herausforderungen zu meistern, ist ZF deshalb seit geraumer Zeit dabei, neue Arbeitsweisen einzuführen. Dies bedeutet vor allem, Entscheidungen zu beschleunigen und Methoden des agilen Arbeitens im großen Maßstab einzusetzen. Diese und weitere Maßnahmen sind Bestandteil der Unternehmensstrategie „Next Generation Mobility“. So sind in allen Bereichen des Konzerns unterschiedlichste Initiativen angelaufen, die alle darauf abzielen, auch die Organisation fit zu machen für die „Next Generation Mobility“. Ein eigens eingerichtetes Transformation Office koordiniert und begleitet die Veränderungsinitiativen im Unternehmen.

Agile Methoden auf dem Vormarsch

Eine zentrale Rolle im Veränderungsprozess spielt das agile Arbeiten. Agilität bedeutet hier, oftmals lange Zeit bewährte Vorgehensweisen zu verändern, um besser zu werden oder um neue Anforderungen zu erfüllen. Teams des neuen Typs setzen im Alltag auf agile Methoden, arbeiten strukturiert, eigenverantwortlich und mit einem hohen Maß an Selbstorganisation. So ist ZF in der Lage, sich schneller an veränderte Bedingungen anzupassen sowie auf Kundenwünsche rascher zu reagieren.

graphic

„Die Welt wird nie wieder so langsam sein wie heute.“

Dr. Michael Ebenhoch, Leiter Entwicklung Division Pkw-Antriebstechnik

Getriebeentwicklung in eigenverantwortlich arbeitenden Teams

Dass dies nicht nur graue Theorie ist, zeigt das Beispiel der Entwicklungsabteilung in der ZF-Division Pkw-Antriebstechnik. Sie hat bereits im Jahr 2017 damit begonnen, agile Arbeitsmethoden einzuführen. Mit einem Augenzwinkern nennt Divisions-Entwicklungschef Dr. Michael Ebenhoch den Grund dafür: „Viele haben das Gefühl, dass sich die Welt um uns immer schneller dreht. Ich empfinde das Gegenteil: Die Welt wird nie wieder so langsam sein wie heute.“ Für ihn war und ist klar, dass seine Mitarbeiter agil denken und arbeiten müssen, um weiterhin erfolgreich zu sein. Mit dem Leuchtturmprojekt ETSYS – Systemsoftware für das 8-Gang-Automatgetriebe der 4. Generation – sammelte das Entwicklerteam erstmals Erfahrungen mit der agilen Teamarbeit. Streng genommen bestand das ETSYS-Team aus sieben interdisziplinären Teams, deren Mitglieder dazu noch an verschiedenen Standorten saßen und nicht nur aus der Division Pkw-Antriebstechnik kamen. Allein diese Vielfalt hätte früher schon die Zusammenarbeit massiv erschwert. Arbeiten mit agilen Methoden bedeutet auch, den Projektauftrag in kleine Schritte zu zerlegen. In regelmäßigen Kontrollen überprüft das Projektteam die erarbeiteten Zwischenergebnisse, um zu ermitteln, ob es auf dem richtigen Weg ist. So lassen sich Entwicklungen mit nur geringen Erfolgsaussichten frühzeitig erkennen und stoppen. „Wir arbeiten stark kundenorientiert, doch sind wir durch den engen Austausch mit dem Kunden jetzt auch in der Lage, auf sich ändernde Umstände sehr flexibel und schnell zu reagieren“, nennt Entwicklungsprojektleiter Joost Peeters einen der wesentlichen Vorteile.

graphic

„Wir arbeiten stark kundenorientiert.“

Joost Peeters, Entwicklungsprojektleiter
Die neue Generation des 8-Gang-Automatgetriebes: Ein Projektteam entwickelte dessen Systemsoftware mit agilen Methoden.

Erstklassig organisiert zur Innovation

Neue Wege geht ZF auch beim Ideenmanagement seiner Zentralen Forschung und Entwicklung. Dort ist die Innovation Factory angesiedelt, ein Team, bestehend aus etwa 20 Mitgliedern. Deren Aufgabe ist, innovative Projektvorschläge schnell in reale Anwendungen zu überführen. Aus einer Vielzahl von Mitarbeiterideen für neue Produkte, Services oder Geschäftsmodelle werden in einem mehrstufigen Prozess jene ausgewählt, die das Potenzial haben, auf dem Markt erfolgreich zu sein. „Wir sind für die frühe Phase der Innovationsentwicklung verantwortlich. Das heißt, wir identifizieren neue Trends, suchen innovative Start-ups in unseren strategischen Technologiefeldern und sind die zentrale Anlaufstelle für Mitarbeiter, die eine Idee einreichen möchten“, erklärt Dr. Eckart von Westerholt, Leiter der Innovation Factory. Bei der Bewertung einer Idee ist von zentraler Bedeutung, dass sie sowohl für Kunden als auch für das Unternehmen einen echten wirtschaftlichen und technologischen Mehrwert schafft.

Im Wettbewerb zum Produkt von morgen

Grundsätzlich kann sich jeder Mitarbeiter mit einer Idee bei der Innovation Factory bewerben. Dazu ist zunächst ein einseitiges Online-Formular auszufüllen. Es enthält wichtige Informationen wie eine kurze Beschreibung des Kundenproblems, welches mit der Idee gelöst werden soll, die Frage, warum ZF für die Realisierung dieser Idee am besten geeignet ist, den ungefähren Zeit- und Kostenrahmen sowie das geschätzte Marktpotenzial. Anhand sechs definierter Kriterien bewertet das Innovation-Factory-Team anschließend jede Projektidee und wählt die interessantesten aus. Mitarbeiter, die diese erste Hürde genommen haben, werden von den Innovationsspezialisten auf ein sogenanntes Pitch Event vorbereitet. Alle zwei Monate findet diese Veranstaltung statt, auf der jeweils vier bis sechs Ideengeber vor einer Jury mit ihren Projektideen gegeneinander antreten.

graphic

„Wir sind für die frühe Phase der Innovationsentwicklung verantwortlich.“

Dr. Eckart von Westerholt, Leiter der Innovation Factory

Mit Highspeed von der Idee zum ersten Prototypen

Jeder Sieger – meist Teams – erhält von der Innovation Factory sowohl finanzielle als auch personelle Unterstützung, um innerhalb von drei bis sechs Monaten seine Idee zu einem ersten Prototypen weiterzuentwickeln, auch Minimum Viable Product (MVP) genannt. Ist das MVP fertig, präsentiert das Projektteam das Ergebnis schließlich bei einem Town Hall Event der Führungsebene. Sofern das MVP das Potenzial zu einer wirtschaftlich tragfähigen Anwendung hat, geht es in die Serienentwicklung. „Im vergangenen Jahr haben wir bereits vier Pitch Events veranstaltet und daraus sechs innovative MVP-Projekte gestartet – zwei davon konnten wir erfolgreich in den Konzern transferieren“, beschreibt von Westerholt den Erfolg.

graphic
Mit der Innovation Factory geht ZF neue Wege bei der Suche nach Impulsen. Auch Mitarbeiter haben die Möglichkeit, hier für ihre Ideen finanzielle und personelle Unterstützung zu gewinnen.